Klettern als Therapie

Klettern als Therapie

Klettern beansprucht wie kaum eine andere Sportart den ganzen Körper und hat dadurch Auswirkungen auf verschiedenste Sinnessysteme ebenso wie auf motorische Fertigkeiten. Zudem hat die Kletterwand eine faszinierende Anziehungskraft auf Kinder, sodass sie sich mit großer Motivation und viel Freude auf diese Tätigkeit einlassen. Aus diesem Grund stellt das therapeutische Klettern ein wertvolles Therapiemedium in der Ergotherapie dar und ich freue mich jedes Mal aufs Neue, die Therapieboulderwand in meiner Praxis für die Kinder nutzen zu können.

Wirkung des therapeutischen Kletterns

Da Klettern den ganzen Körper beansprucht, können wir verschiedenste Auswirkungen dieses therapeutischen Angebots beobachten.

Koordination und Bewegungsplanung

Von einem Tritt und Griff zum nächsten – Kinder müssen ihre Bewegungen an der Kletterwand motorisch gut planen und Arme, Beine und Rumpf miteinander koordinieren. Die verschiedenen Trittformen und –größen machen eine Anpassung der Fußstellung notwendig, ebenso erfordern die unterschiedlichen Griffe variable Greifformen.

Körperwahrnehmung

Um eine Position an der Kletterwand einnehmen und halten zu können, baut der Körper ein gewisses Maß an Körperspannung auf. Je nach Position an der Wand benötigt man mehr oder weniger Körperspannung und das Fortbewegen an der Kletterwand erfordert eine fortlaufende Anpassung eben dieser Spannung. Das Kind erhält dabei sehr viel Rückmeldung über den eigenen Körper und lernt sich selbst gut zu spüren. Dadurch ist es im Verlauf auch im Alltag besser in der Lage, seine Bewegungen zu dosieren und seine Kraft an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.

Gleichgewicht

Um sich an der Kletterwand fortbewegen zu können, muss der Körperschwerpunkt immer wieder verlagert werden. Dabei nimmt der Körper verschiedene Positionen ein, wobei die Füße auf zum Teil kleinen Tritten helfen, den Körper zu stabilisieren. Zusätzlich bekommt beim Klettern das Thema Höhe eine besondere Bedeutung.

Aufmerksamkeit und Konzentration

Beim Klettern fokussiert sich das Kind auf seinen Körper und die Kletterwand unmittelbar vor ihm. Nur so können Bewegungsübergänge gelingen, kann ein guter Griff, ein guter Tritt gefunden werden, kann das Kind den Zielpunkt erreichen. Diese Fokussierung fördert die Aufmerksamkeitsleistung eines Kindes, sodass es sich auch im Alltag besser konzentrieren kann und bei Aufgaben ausdauernder dabei bleibt.

Soziale Fertigkeiten

Beim gemeinsamen Klettern bilden die Partner ein Team. Es ist wichtig einander zuzuhören und aufeinander aufzupassen. Es gibt beim Klettern klare Regeln, an die sich alle halten müssen, denn jeder im Team trägt Verantwortung für sich und seinen Partner. Auch gegenseitiges Vertrauen und Rücksichtnahme sind wichtige Aspekte, die die Kinder im Rahmen des gemeinsamen Kletterns lernen können.

Emotionen

Klettern hat einen hohen Aufforderungscharakter für Kinder und ich habe immer wieder erlebt, wie sich die Kinder an der Kletterwand selbst Ziele stecken und mit Freude und Motivation „an die Arbeit“ gehen. Erfolgserlebnisse sind wunderschön zu beobachten und stärken das Selbstvertrauen eines Kindes, sodass es immer wieder mutig bereit ist, neue Dinge auszuprobieren und die eigenen Fähigkeiten positiv erleben kann.

Zielgruppe

Ob ein Kind für das therapeutische Klettern geeignet ist bzw. ob es davon profitieren kann, wird für jedes Kind individuell gemeinsam mit den Eltern entschieden. Durch das Vorhandensein der Boulderwand direkt im Therapieraum, lässt sich dieses Therapiemittel für jedes Kind leicht und unkompliziert ausprobieren.